Zum Seminar «Über Menschen schreiben» an der Schule für Angewandte Linguistik. Wir haben in einer Reportage von Bänz Friedli unter anderem geschaut, wie Personen im Text in Erscheinung treten.

Wie Personen in einem Text in Erscheinung treten – Anmerkungen zur Reportage von Bänz Friedli («Jägerin in der verlorenen Stadt»)

Zitate. Die Person wird zitiert. Längere und kürzere Zitate. Mit oder ohne redeeinführendes Verb. Redeeinführendes Verb vor dem Zitat oder danach. Zitate sind authentisch und der Rede nachempfunden. Im Text von Friedli finden wir viele Zitate. Die Wirkung ist Unmittelbarkeit. Wir sind nahe am Geschehen, «hören» die Protagonistin.
Indirekte Rede. Wenn möglich mit direkter Rede abwechseln. Längere indirekte Rede wirkt schwerfällig.
Interviewstory. Zwischendurch längere Interviewpassagen (Frage/Antwort). Dies erlaubt Nähe und Unmittelbarkeit. Zudem wird der Textrhythmus gebrochen. Als Textsorte eher selten; vor allem das Magazin publiziert solche Mischformen.

Handlung. Wir lassen die Personen handeln, zeigen sie, wie sie etwas verrichten (zum Beispiel im Einstieg in Friedlis Text, das Morgenritual von Mandara). Hier ist es wichtig, dass wir genau recherchieren, genau wahrnehmen oder – falls nicht vor Ort – uns die Handlung genau schildern lassen.
Ambiente beschreiben. Die Person wird indirekt auch durch das Ambiente, in dem sie sich aufhält, beschrieben bzw. charakterisiert. Genau beobachten (vgl. Beschreibung des Büros der Kommissarin).
Bewegung. Die Person bewegt sich, geht von A nach B. Wir zeigen, wie sie geht und was sie wahrnimmt.
Beschreibung der Kleider. Die auffallendsten Kleider beschreiben, meist nur ein bis drei Kleidungsstücke. «Trägt ihre Dieseljeans modisch auf Hüfthöhe, dazu eine weisse Bluse unterm violetten Strickgilet.»
Kommentierende Beschreibung der Person (zurückhaltend verwenden). Wir beschreiben einen Menschen mit Adjektiven, bringen unseren Eindruck, unsere Wahrnehmung auf den Punkt. «Eine herbe Schöne, diese Kommissarin, etwas zu braun gebrannt für die Jahreszeit, etwas zu blond an den Haarspitzen.»
Beschreibung des Sprechens. Wir versuchen zu beschreiben, wie jemand spricht. Wir geben im Text also nicht nur wieder, was wir sehen, sondern auch, was wir hören. «Mandara spricht Neapolitanisch, einen weich rollenden Singsang, der jedes T zum D, jedes P zum B abfedert und in dem jeder noch so scharfe Satz gemächlich klingt.»

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