(Artikel für infos – Zeitschrift für Kaufleute in Ausbildung)

Freewriting ist eine Schreibtechnik, die einem das Verfassen von Texten erleichtert.

Vielleicht haben auch Sie diese Erfahrung gemacht: Sie müssen einen Brief schreiben, ein Konzept oder eine Arbeit für die Schule, aber der Text will Ihnen nicht gelingen. Sie sind blockiert, wissen nicht recht, was schreiben. Sie verfassen ein paar Zeilen und verwerfen sie wieder. Nach einigen Versuchen verlassen Sie den Arbeitsplatz enttäuscht. Vielleicht klappt es ja ein andermal.
Vielen geht es beim Schreiben so. Unter anderem hat das damit zu tun, dass man auf Anhieb zu viel will. Man möchte gleich einen perfekten Text verfassen und vergisst dabei, dass Schreiben ein anspruchsvoller Prozess ist und mehrere Durchgänge verlangt: Entwurf und Überarbeitungen. Natürlich verfasst der Schreibprofi gleich einen ansprechenden Text. Aber auch er muss überarbeiten, was er geschrieben hat. Das gehört zum Handwerk, denn beim Schreiben spielt sich vieles gleichzeitig ab. Man muss sich auf den Inhalt konzentrieren, sollte genau wissen, was man überhaupt aussagen will, schaut auf den Sprachstil und die Grammatik, darf das Zielpublikum nicht aus den Augen verlieren und achtet darauf, dass man innerhalb eines bestimmten Umfangs die Sache auf den Punkt bringt. Die Blockaden rühren daher, dass wir all die Ansprüche gleichzeitig erfüllen möchten.
Eine Möglichkeit, sich das Schreiben zu erleichtern, ist das Freewriting, das assoziative oder automatische Schreiben. Bei dieser Schreibtechnik geht es darum, dass man in den sogenannten Flow gerät, dass man einfach drauflos schreibt und so in leichter Weise Gedanken entwickelt. Es geht also um einen Textentwurf. Man kann das Freewriting ganz unterschiedlich anwenden: als sprachspielerisches Experiment, aber auch ganz gezielt als Vorbereitung für einen bestimmten Schreibauftrag.
Eine erste Übung funktioniert so: Nehmen Sie ein Blatt Papier und einen Stift oder verfassen Sie den Text am Computer. Beginnen Sie nun mit irgendeinem Satz und schreiben Sie während zehn Minuten einfach drauflos – was Ihnen in den Sinn kommt. Keine Angst, der Text ist nur für Sie bestimmt und wird von niemandem sonst gelesen. Machen Sie während des Schreibens keine Pause, halten Sie den Schreibrhythmus ein. Schreiben Sie zügig, aber nicht gehetzt. Lassen Sie sich von Ihrem Text tragen und überraschen. Verwerfen Sie nichts, auch wenn es banal erscheint, und blicken Sie nicht zurück. Lesen Sie also während des Freewriting nicht, was Sie geschrieben haben.
Diese Art des Schreibens ist wie Träumen. Es entstehen überraschende Bilder, witzige Episoden, seltsame sprachliche Wendungen. Vielleicht verfolgen Sie aber auch irgendeinen Gedanken und kommen so zu Erkenntnissen.
Wenn es Ihnen bei der Übung gut läuft, dann geraten Sie in eine Art Schreibrausch, eben in den Flow. Sie denken nicht mehr, was Sie schreiben wollen, sondern Denken und Schreiben sind eins. Auf diese Weise erfahren Sie auch, dass Schreiben ohne Blockaden ablaufen kann, und zwar weil Sie sich nicht auf all die vielen formalen Ansprüche wie Grammatik, Stil oder adressatengerechtes Schreiben konzentrieren, sondern ganz auf den Inhalt.
Wenn Sie diese Technik gezielt als Vorbereitung für einen Schreibauftrag anwenden, verfassen Sie Ihren Text nicht mehr völlig frei, sondern Sie gehen von einer Aufgabe oder einer Fragestellung aus. Im Folgenden ein paar Beispiele.
Ein Brief. Versuchen Sie einmal, einen Brief auf die Art, wie oben geschildert, zu verfassen. Das Anliegen, über das Sie schreiben, ist gegeben. Durch das relativ zügige Schreiben formulieren Sie direkt und kommen schnell zur Sache. Natürlich müssen Sie Ihren Brief danach überarbeiten.
Ein Bericht für ein Bulletin oder eine Mitarbeiterzeitung. Schreiben Sie, wie Sie jemandem berichten würden: klar, direkt, ohne Umschweife, mit Beispielen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit schreiben Sie lebendiger als sonst.
Ein Konzept für eine Schularbeit oder ein Projekt. Viele Schreiber denken zu lange über eine Sache nach, bevor sie sich an den PC setzen. Dabei vergessen sie, dass Schreiben auch eine Form des Nachdenkens ist. Nehmen Sie sich fünfzehn Minuten Zeit und schreiben Sie alles auf, was Ihnen zum Thema in den Sinn kommt. Stellen Sie Fragen im Text, lassen Sie überraschende Zusammenhänge zu.
Ein Manuskript für ein Referat. Erzählen Sie in die Tasten, was Sie Ihren Zuhörern referieren werden. Schreiben Sie klar und bringen auf den Punkt, was Sache ist. Stellen Sie sich das Publikum vor. Achten Sie immer darauf, dass Sie relativ zügig schreiben. Sobald Sie unterbrechen, verlieren Sie den Faden und geben dem sogenannten inneren Kritiker Raum, der Ihren Text beanstandet. Aber das kommt nachher. Zuerst die Gedanken entwickeln. Diese kritisch prüfen können Sie später.
Erproben Sie diese Art des Schreibens an verschiedenen Textsorten und vergessen Sie dabei nicht: Es geht immer um das Entwickeln von Gedanken und/oder um einen Textentwurf, den Sie nachher überarbeiten werden. Die Erfahrung zeigt, dass viele Schreibende dank dieser Technik mit der Zeit auf Anhieb einen gelungen Text schreiben – unter anderem deshalb, weil Sie direkt erzählen und sich den eigenen Assoziationen anvertrauen, die meist logischer sind, als wir gemeinhin annehmen.

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