(Anmerkungen zur Schreibwerkstatt an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften – Departement Psychologie – Mai/Juni 09)

•    Wir schreiben in der Regel zu spät. Vor allem bei längeren Schreibprojekten lohnt es sich, frühzeitig kurze Texte zu schreiben. Wir machen uns dadurch mit dem Thema vertraut (lernen!) und entwickeln spannende, überraschende Gedanken (exploratives Schreiben).
•    Wenn wir während/nach der Lektüre exzerpieren und auf Erkenntnisse stossen, halten wir diese fest. Was wir nicht festhalten, vergessen wir.
•    Also nicht denken: «Das gehört nicht hierher. Das schreib ich dann später auf.», sondern es festhalten.
•    Kurzes Texten begleitet also die Lektüre für ein längeres Schreibprojekt bzw. die Recherche für einen Artikel.
•    Zu einem bestimmten Zeitpunkt lege ich eine Struktur für meinen Text fest.
•    Diese Struktur fungiert im Hintergrund während des Schreibens. Sie gibt die Stossrichtung für meinen Text vor.
•    Während des Schreibens weiche ich allenfalls leicht von der Struktur ab. Ich lasse das zu, weil ich weiss: Das Schreiben verändert möglicherweise meinen bisherigen Text und verlangt eine Überarbeitung. Auch beim Schreiben des Rohtextes gilt: Durch das Schreiben entwickle ich neue Gedanken, komme zu überraschenden Wendungen und Verbindungen im Text. Die Struktur ist also das eine. Das andere ist der sich entwickelnde Text. Es geht nie darum, einen «im Kopf bestehenden Text» einfach niederzuschreiben. Indem ich schreibe, entsteht der Text.
•    Erst die Überarbeitung eliminiert Widersprüche, Ungereimtheiten, Unstimmigkeiten. Ich kann zum Beispiel den Anfang eines Textes erst richtig beurteilen, wenn ich den Schluss geschrieben habe. Der perfekte Text auf Anhieb ist von daher unrealistisch.
•    Schreiben heisst Linearisieren. Ich bringe die vermeintliche «Gleichzeitigkeit der Gedanken/des Wissens» auf eine Linie: eines nach dem anderen.
•    Durch das Schreiben bewege ich mich vom Chaos zur Ordnung, vom Diffusen zur Struktur. Indem ich schreibe, bringe ich Ordnung und Struktur in «das gleichzeitige Wissen».
•    Aus dem oben Gesagten folgt zusammenfassend:
o    Ich schreibe möglichst bald, entwickle Gedanken, mache mich schreibend mit dem Thema vertraut.
o    Ich entscheide mich für eine Struktur, einen Aufbau.
o    Ich schreibe dieser Struktur entlang und lasse Abweichungen zu.
o    Ich überarbeite meinen Text mehrmals.

•    Zu den kürzeren Texten: Es ist hilfreich, wenn ich bald einmal auf den Punkt bringe, worum es geht. Ich fasse die Hauptaussagen in wenigen Sätzen zusammen (erweiterter Lead). Nun weiss ich, was Thema ist, und laufe dadurch nicht Gefahr, mich in einem Randthema zu verlieren. Die Zusammenfassung gibt den Rahmen. Ich weiss, was ich sagen will. Zudem halte ich mir den Adressaten vor Augen. Ich will, dass meine LeserInnen meine Botschaft verstehen. Das bestimmt mein Schreiben bzw. Erzählen. Wenn ich mir den Adressaten vorstelle, weiss ich, wo ich mit Beispielen veranschaulichen muss, was ich ausführen soll, wo ich kurz sein darf.

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